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Service Center lokale Arbeit – was ist das eigentlich?

Ihr habt es sicherlich jetzt oft genug gelesen: Mit dem ModellvorhabenService Center lokale Arbeit“ wollen wir in Dortmund langzeitarbeitslose Menschen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermitteln. Aber was ist eigentlich das Besondere an diesem Modellvorhaben? Im Folgenden wollen wir einmal darstellen, was das Service Center lokale Arbeit ausmacht.

Die Besonderheit und der Unterschied zu bisherigen Projekten öffentlich geförderter Beschäftigung ist die starke Einbindung der Privatwirtschaft. So sollen für Langzeitarbeitslose nachhaltige Beschäftigungschancen geschaffen werden. In Dortmund mussten wir nämlich feststellen, dass wir trotz des sehr erfolgreichen Strukturwandels der Stadt mit jährlich neuen Rekordzahlen bei Beschäftigung und Wachstum einen sehr harten Sockel an Langzeitarbeitslosigkeit haben, der sich über die Jahre trotzt starkem Engagement durch viele Akteure kaum geändert hat. Es fehlen schlicht Arbeitsplätze für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt aufgrund von sehr unterschiedlichen Vermittlungshemmnissen bisher erfolglos waren. Die bisherigen Ansätze waren immer stark darauf fokussiert, diese Hemmnisse anzugehen, wodurch aber eben auch keine neuen Arbeitsplätze entstehen. Wir wollten daher neue Wege gehen und haben im Konsens der ganzen Stadt dieses Modellvorhaben entwickelt, dass von der entgegengesetzten Seite kommt: Wir schaffen Arbeitsplätze und suchen Langzeitarbeitslose dafür.

Eine weitere Besonderheit bei dem Projekt ist die neue Zusammenarbeit der Akteure in der Stadt. In dem Service Center formiert sich eine Projektgruppe, bestehend aus Mitarbeitern der Fachstelle für Beschäftigungsförderung des Sozialamtes, der Abteilung Arbeit und Qualifikation der Wirtschaftsförderung, aus dem zentralen Vergabe- und Beschaffungszentrum der Stadt und Integrationsmanagern aus dem Jobcenter Dortmund. Gemeinsam bilden sie eine interdisziplinäre Projekteinheit, in der jeder seine Kernkompetenz einbringt. Die Mitarbeiter agieren dabei aus ihren jeweiligen Fachbereichen heraus und gewährleisten so die vorhandenen Strukturen optimal mit zu nutzen.

Im Kern ist dabei der Ansatz, die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen zur Bedingung der Vergabe von städtischen Aufträgen zu machen. Die dem dann beauftragten Unternehmen möglicherweise entstehenden Mehrkosten, werden in der Auftragssumme pauschal über einen Minderleistungsausgleich ausgeglichen.

Wie läuft das ganz konkret ab? Eine direkte Subventionierung des Unternehmens für den Einsatz des Langzeitarbeitslosen ist nicht gewünscht und würde auch ein falsches Signal setzen. Nicht das Unternehmen als Arbeitgeber und Auftragnehmer erhält daher einen Minderleistungsausgleich, sondern der Fachbereich der Stadt als Auftraggeber. Das geht so: Der Auftragnehmer kalkuliert für sich den Einsatz der Langzeitarbeitslosen nach seinen gängigen Vergütungsstrukturen innerhalb eines Gesamtangebotes für den ausgeschriebenen Auftrag ein. Wir gehen dabei davon aus, dass die vermittelten Langzeitarbeitslosen keine hundertprozentige Leistung gegenüber regulären Arbeitnehmern sofort erbringen können. Daraus ergibt sich für die Kalkulation, dass wir von einer Minderleistung von siebzig Prozent ausgehen. Diese Annahme ist natürlich pauschal zu treffen gewesen. Sie stellt aber auch gleichzeitig die Grundlage für die bewilligten Mittel des Landes dar.

Die potentiellen Auftragnehmer kalkulieren also in ihrem Angebot ihre voraussichtlichen Kosten für den Einsatz eines Langzeitarbeitslosen ein. Aber eben nicht auf Grundlage einer Minderleistung, sondern auf Grundlage der eigenen Einschätzung. Es wird lediglich eine maximale Grenze gesetzt, damit die Liquidität der Projektmittel gewährleistet bleibt. Selbstverständlich muss der Auftragnehmer in dem Leistungsverzeichnis die entstehenden monatlichen Kosten je einzusetzendem Langzeitarbeitslosen auch bepreisen. Dabei dürfen die Kosten pro Langzeitarbeitslosen pro Monat maximal 1.854 Euro brutto betragen. Diese Kalkulation ist dann Bestandteil der Gesamtkalkulation für den zu vergebenden Auftrag. Dieser Gesamtauftrag wird dann vom ausschreibenden Fachbereich der Stadt Dortmund bezahlt. Der Fachbereich erhält dann aufgrund der nachgewiesenen Arbeitsverträge der eingesetzten Langzeitarbeitslosen vom Service Center lokale Arbeit den entsprechenden Minderleistungsausgleich in Höhe von eben diesen maximal 1.854,00 Euro erstattet.

Für die Stadt in der Gesamtbetrachtung gilt dann natürlich grundsätzlich, dass der Eigenanteil zwanzig Prozent beträgt, während achtzig Prozent der finanziellen Mittel vom Land zur Verfügung gestellt werden. Der Eigenanteil der Stadt Dortmund besteht dabei aus dem eingesetzten Personal sowie eben den eingesparten Kosten der Unterkunft der vermittelten Langzeitarbeitslosen.

Soweit zur Technik und Systematik. Aber uns ist dabei im Ergebnis und als Botschaft zentral wichtig, dass die Langzeitarbeitslosen in normale Arbeitsprozesse von Betrieben integriert werden. Dadurch erhalten sie Entwicklungsmöglichkeiten, die in einem „zweiten“ Arbeitsmarkt so nicht darstellbar sind. Deshalb auch die indirekte Form der Förderung, denn so wirkt die Auftragssumme dem Entstehen einer Sonderstellung oder gar Stigmatisierung im Betriebsalltag entgegen. Dennoch müssen wir natürlich der besonderen Situation der Menschen durch begleitende Förderaktivitäten Rechnung tragen. Im Ergebnis erwarten wir von der längerfristigen Integration in Betriebe „Klebeeffekte“ im Hinblick auf eine Fortsetzung der Beschäftigung.

Das Service Center lokale Arbeit selbst hat dabei die Aufgabe, in enger Abstimmung mit dem Vergabe- und Beschaffungszentrum der Stadt Dortmund die Ausschreibung von kommunalen Aufträgen durchzuführen. Es muss also prüfen, welche davon sich für die Integration von Langzeitarbeitslosen eignen. Im Verlauf des Modellprojekts werden so sämtliche städtischen Vergaben überprüft. Dabei ist auch selbstverständlich, dass die Arbeitsverhältnisse sich hier nach den allgemein geltenden arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen zu richten haben. Hier wird kein Dumping betrieben. Das führt natürlich die Frage auf, welche Beschäftigungsperspektiven für Langzeitarbeitslose wir hier sehen. Unser Ziel ist hier der Ausbau einfacher Tätigkeiten in stadtgesellschaftlich relevanten Servicefeldern.

Dabei sehen wir gerade auch die Möglichkeit, dass durch die Arbeitswelt 4.0 diese neue Einfacharbeitsplätze in Unternehmen entstehen, die neue Beschäftigungsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose ermöglichen. Digitalisierung und demographischer Wandel wirken hier wie die zwei Enden eines Schraubstocks auf die Personalentwicklung eines Unternehmens. So wird durch die Digitalisierung die Verteilung von Qualifizierungsanforderungen im Betriebsablauf völlig neu sortiert. Das führt gerade bei Fachkräften zu wachsenden Anforderungen. Daraus folgt, dass Unternehmen bei Fachkräften, bedingt auch gerade durch den demographischen Wandel, noch stärker unter Druck geraten. Unternehmen werden dann wiederum Fachkräfte immer mehr von einfachen Tätigkeiten entlasten müssen. Für Ungelernte entstehen dann auf Grund des Mangels an Fachkräften also durchaus Potentiale für neue Aufgaben und Perspektiven in Unternehmen. Diese Potentiale wollen wir im Kontext des Modellprojekts auch verstärkt identifizieren und in schlüssige Konzepte zum Aufbau neuer, einfacher Arbeit überführen.

Diese Aufgabe werden ganz konkret die Betriebsakquisiteure übernehmen. Sie suchen Unternehmen direkt auf und ermitteln gemeinsam mit den Unternehmen diese personellen und organisatorischen Umstrukturierungspotentiale. Wie gerade bei dem Bild des Schraubstocks für die Personalentwicklung in Unternehmen dargestellt, können diese Helferinnen und Helfer gerade Fachkräfte, die häufig neben ihren Fachaufgaben auch noch einfache Tätigkeiten nebenbei erledigen müssen, entlasten. Diese einfachen Tätigkeiten finden sich in fast allen Branchen. Es kann sich um das Sortieren von Schrauben handeln, aber auch um die Erstellung einer Liste am Computer. Wir möchten, dass die Betriebsakquisiteure, die über Erfahrungen in der Personal- und Organisationsberatung von Unternehmen verfügen, gemeinsam mit den zu beratenden Unternehmen das Potenzial erkennen, das in dieser Beschäftigung von Helferinnen und Helfern stecken kann. Gelingt uns das, schaffen wir neue Arbeitsplätze auf Helferniveau in Unternehmen.

Wenn man das alles liest, stellt sich natürlich sofort immer die Frage der Nachhaltigkeit. Wie wollen wir denn verhindern, dass diese zusätzlichen Arbeitsplätze nach Auslaufen der Förderung wieder wegfallen? Dazu muss man zuerst sich vor Augen führen, dass es eben keine Förderung im klassischen Sinne ist, sondern Aufträge mit besonderen Konditionen für Unternehmen. Das ist eben der Kern unseres Modellvorhabens. Wenn Unternehmen nach Beendigung des Auftrags die zuvor eingegangen Arbeitsverhältnisse beenden sollten, können wir das natürlich nicht verhindern. Aber das gilt ja immer, auch bei allen sonstigen Vergaben der Stadt. Deshalb müssen wir die Menschen ja auch weiterhin begleiten und uns durch Coaching und Qualifizierung darum bemühen, dass genau diese Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht eintritt. Dazu gehört auch, dass wir mit den Unternehmen aktiv über eine mögliche dauerhafte Integration der Menschen sprechen werden. Dabei werden wir aber einen entscheidenden Vorteil haben. Während der Ausführung des Auftrages lernt das Unternehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Arbeitsalltag kennen. Bei positivem Verlauf der Umsetzung können wir daher die möglichen Klebeeffekte konkret ausloten.

Weitere Infos gibt es hier:

http://wirtschaftsfoerderung-dortmund.de/arbeitskraefte/service-center-…