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Trump-Blase

Was haben der neue Vertrag der Großen Koalition in Deutschland und die Aktien an den US-Börsen gemeinsam? Sie sind beide zu hoch bewertet. In der Tat hat das bundesdeutsche "GroKo- Getöse" dieser Tage das Börsen-Ereignis der Woche fast vollständig überdeckt. Der wichtigste amerikanische Aktienindex Dow Jones ist am Montag um 4,6 Prozent gefallen und fast niemand in Deutschland hat dies gemerkt. 

Zeitweise lag der Index um 1.600 Punkte im Minus. Die Folgen auf den europäischen und asiatischen Börsenmärkten ließ nicht lange auf sich warten. Steht zehn Jahre nach dem Lehmann-Brother Crash der nächste Börsencrash, der auf heimlichen Sohlen und völlig unbemerkt zuschlägt vor der Tür? 

Ist der Zyklus des billigen Geldes, in dem wir neuen Schulden gemacht haben, um alte Schulden zu begleichen, nun am Ende? Ist dies der Beginn einer Weltwirtschaftskrise, die auch das deutsche Wachstumswunder inmitten einer europäischen Krisenlandschaft beenden wird? Ist das die eigentlich bittere Pointe dieser Woche, dass wir uns in Deutschland einen provinziellen Streit um einen lächerlichen Koalitionsvertrag leisten, während die wirtschaftliche Basis vor unseren Augen zerbröselt?

Alle diese Kommentare, Meinungen und Einschätzungen hat es in diesen Tagen in der veröffentlichten Meinung gegeben. Sie sind allesamt wohl etwas sehr dick aufgetragen. Aber eins müssen wir festhalten: Auf "leisen Sohlen" ist auch dieser Börsencrash an der Wall Street nicht gekommen. Bereits vor zwei Jahren warnte der Wirtschafts-nobelpreisträger, Robert Shiller vor einer "Trump-Blase" an den Finanzmärkten. Was veranlasste Shiller zu dieser Warnung?

Zunächst erstmal ein einfacher empirischen Befund: Die meisten Aktien an den US-Börsen sind mittlerweile zu hoch bewertet. Dies zeigt der von Robert Shiller entwickelte Indikator, dem die Aktienkurse und Gewinne der Unternehmen des breit aufgestellten US-Aktienindex S & P 500 zugrunde liegen. Danach waren Investoren innerhalb der letzten 130 Jahre bereit, durchschnittlich 16,05 Dollar für jeden Dollar an erwirtschafteten Gewinnen der dort gelisteten Unternehmen zu bezahlen. Aktuell liegt das inflationsbereinigte Shiller-KGV bei 29,58 und damit auf dem dritthöchsten aber nur knapp unter dem zweithöchsten Niveau, welches in dem Zeitraum jemals ermittelt wurde. 

Anleger sind also heute bereit, 84 Prozent mehr zu zahlen als im historischen Durchschnitt. Nur vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 und als die Technologieblase in 2000 platze, war die Überbewertung der US-Aktienmärkte höher. Aber warum spricht Shiller von einer "Trump-Blase", was hat Trump mit der Über-bewertung der Aktien zu tun?

Auch die Börsen seien von Emotionen getrieben, so Shiller, weshalb Anleger und Investoren dazu neigen würden, die Pläne von Trump offenbar sehr optimistisch zu bewerten. Anders ausgedrückt: Selbst wenn die Steuer- und Industriepolitik von Trump also zu einer Steigerung des realen Wirtschaftswachstums in den USA führt, wird die Bewertung der Aktien gleichzeitig mit angeheizt. Da die Wertbewertung der Aktien aber ohnehin schon auf einem Rekordwert liegen, ist die Gefahr einer Blase, also einer Überhitzung dieser Bewertung, die in keinem Verhältnis zu den realen Werten liegt, noch stärker.  Genau dieser Effekt ist nun in dieser Woche eingetreten und mit einem kräftigen Kurssturz quittiert worden.

Shiller geht noch einen Schritt weiter: Donald Trump erinnert ihn stark an den früheren US-Präsidenten Calvin Coolidge, der 1923 ins Amt gewählt wurde. Coolidge sei so wie auch Trump unternehmensorientiert und regulierungsfeindlich gewesen. Auch als der US-Aktienmarkt in 1928 schon ein sehr hohes Kursniveau erreicht hatte, habe Coolidge damals nichts gegen die ausufernde Spekulation an den Börsen unternommen. Die Blase am Aktienmarkt, die sich in seiner Amtszeit aufgepumpt hatte, platzte schließlich 1929 – ein Ereignis, das als Auslöser der Weltwirtschaftskrise gilt.

Auch die Kreditblase, die sich gerade entwickeln würde, könne so wie in 1929 böse enden und eine neue große Depression auslösen, warnt Shiller. Ich kann diese Prognose an dieser Stelle weder entkräften noch bestätigen, ich kann nur feststellen, dass diese Frage der weiteren Entwicklung unserer wirtschaftliche Grundverfassung derzeit politisch überhaupt keine Rolle spielt. Das wiederum ist alles andere als gut.