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Der psychologische Arbeitsvertrag

Boarding Instrumente zur Sicherung weiblicher Fachkräfte

Rund 30 Prozent aller frisch engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschreiben zwar den Arbeitsvertrag, treten die Stelle dann aber doch nicht an. Für Unternehmen ist das ärgerlich und teuer. Im dritten Online- Workshop aus der Reihe „Führung goes digital“ informierten sich mehr als 30 Teilnehmende darüber, wie sie virtuelle Brücken bauen und Boarding-Prozesse in Unternehmen gestalten können.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen am ersten Arbeitstag ins Büro und niemand ist da. Klingt grotesk, ist in Zeiten von Corona aber durchaus Alltag. Wer nimmt den oder die Neue nun ans Händchen, zeigt vom Kopierer bis zur Kaffeemaschine die betriebliche Infrastruktur. Wie findet man erste Bezugspersonen zum menschlichen Ankommen und wer beantwortet Fragen in der Einarbeitung? Das sogenannte On-Boarding ist ein wichtiger Prozess, der entscheidend zu einem gelungenen Arbeitsverhältnis für beide Seiten führt.

Pre-, On-, Re- und Off-Boarding-Prozesse

Wie wichtig Boarding-Instrumente sind, zeigten die Zahlen und Informationen eindringlich, die Referentin Petra Sofia Hübers aus einer aktuellen Haufe-Studie mitbrachte. Danach beginnt der Boarding-Prozess schon mit der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages. Zwischen Unterschrift und Arbeitsantritt springen rund 30 Prozent der Neueingestellten wieder ab. „Oft bessert der alte Arbeitgeber nach, wenn jemand kündigen möchte und die Bindung zum neuen Unternehmen ist noch nicht fest. Daher muss auch der psychologische Arbeitsvertrag sofort mit Leben gefüllt werden“, sagt Petra Sofia Hübers.

Diese Einlösung des „psychologischen Vertrages“ ist ein enormer Wertschöpfungsfaktor, steigert die Bindung und verringert die (Früh-)Fluktuation. Schon im Bewerbungsgespräch sollte geklärt werden, wie viel und welche Einbindung ins Team gewünscht wird.

Rückkehr nach der Elternzeit

Doch die Realität in vielen Unternehmen scheint eine andere zu sein. Laut der Befragung des Haufe Verlages mit 553 HR-Verantwortlichen zwischen Juli und Oktober 2020 sahen 77 Prozent von ihnen ein hohes Verbesserungspotential bei Boarding-Prozessen.

Das gilt beispielsweise auch für Re-Boarding-Maßnahmen, wenn Frauen nach der Familienphase wieder in den Job starten. Eine systematische Reintegration sorgt dafür, dass die Produktivität schnell zurückerlangt wird, die Bindung ans Unternehmen verstärkt wird und die Motivation über wertschätzende (Re-)Integration steigt. Wie bei allen Boarding-Prozessen geht es hier sowohl um die menschliche Integration ins neue Team als auch um die fachliche Einarbeitung. Allerdings unterstützen laut Haufe-Umfrage 94% der Unternehmen ihre Mitarbeitenden beim Re-Boarding gar nicht.

Die Kunst des harmonischen Ausstiegs …

Auch das Off-Boarding sollte im Unternehmen strukturiert werden, denn es bietet die Chance, eine Menge über das eigene Unternehmen zu erfahren. Petra Sofia Hübers rät daher dringend zu einem persönlichen Trennungsgespräch, um die Trennungsgründe zu erkennen und zu dokumentieren: „Beschäftigte, die ein Unternehmen verlassen, sind meist offener, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. Wenn Sie hier genau hinhören, können Sie so manche Schwachstelle im Unternehmen identifizieren. Bei Mitarbeiterinnen, die Sie gerne behalten hätten, stellen Sie unbedingt eine Option zur Rückkehr in Aussicht.“

In Kleingruppen wurde anschließend angeregt diskutiert, wie sich Boarding-Prozesse in Zeiten von Home-Office gestalten lassen. Hier zählen persönliche Ansprechpartnerinnen und Partner, eine perfekt vorbereitete Technik, Online-Boards mit Mitarbeiterprofilen, Handouts oder Video-Mittagspausen in kleinen Gruppen. Ein Beispiel für digitales Off-Boarding wurde dann auch im Workshop praktisch vorgelebt.

Ursula Bobitka geht in den Ruhestand

Ursula Bobitka, die das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet seit 2012 leitet, wechselt nun in den Ruhestand. Nach 40 Jahren Tätigkeit bei der Stadt Dortmund, davon 10 Jahre bei der Wirtschaftsförderung werden viele ihrer Weggefährtinnen und Gefährten ihre menschlichen und fachlichen Kompetenzen sehr vermissen.

Mit Bildern zu den Highlights aus ihrem Wirken bei Competentia und mit vielen guten Wünschen haben die Teilnehmenden Ursula Bobitka verabschiedet.

Fazit: Boarding-Prozesse und Übergänge in Unternehmen sind wichtiger Teil der Unternehmenskultur für die Bindung von Beschäftigten. In Zeiten von New Work sind sie eine besondere Herausforderung. 

https://www.facebook.com/KompetenzzentrumFrauundBerufWestRuhr 
http://www.competentia.nrw.de/kompetenzzentren/kompetenzzentrum_Westfae…